Documenta die Vierzehnte

Bericht von Karin Wahl

Mal keine reine Städtetour, mal keine Schaufenster kuggen, mal keine Stores checken! Aber irgendwie war mein Besuch ja doch ein Ausschau halten nach originellen Ideen und besonderen Konzepten. Ich habe viel gesehen, Spannendes, neugierig Machendes, Interessantes und auch einige Werke, die sich mir nicht ganz erschlossen hatten.

Die diesjährige Documenta 14 findet vom 10.Juni bis 17.September in Kassel statt und ist weltweit die größte Ausstellung für zeitgenössische Kunst. Es gab erstmalig auch einen zweiten Standort in Athen. Die Ausstellungen dort konnten vom 8.April bis zum 16.Juli 2017 besichtigt werden. Künstler sollten an und mit beiden Orten arbeiten.

Hier mal ein kleiner Überblick und ein paar Eindrücke von meinen drei Tagen in Kassel:

Pantheon der Bücher – Marta Minujíns
Pantheon der Bücher – Marta Minujíns

Kommt man zum Friedrichsplatz, dem Zentrum der Documenta, wird man schon von weitem von Marta Minujíns Panthenon der Bücher begrüßt. Dieses Bauwerk soll ein Zeichen gegen das Verbot von Texten und die Verfolgung ihrer Verfasser sein. Die argentinische Künstlerin sammelte Bücher die weltweit irgendwann mal verboten wurden oder noch sind. Spaziert man entlang, ist man erstaunt, welche Bücher dazu gehören, wie z.B. Mickey Mouse. Es wird immer noch daran gearbeitet und es werden weiterhin Buchspenden angenommen.

Rohrkonstruktion – Hiwa K.
Rohrkonstruktion – Hiwa K.

Geht man ein Stückchen weiter kommt man an die Rohrkonstruktion von Hiwa K. Der kurdisch-irakische Künstler war einst selbst Flüchtling und hat in solchen Röhren übernachtet. Zusammen mit Studenten der Kunsthochschule Kassel, die die Röhren als Wohneinheiten gestalten sollten, hat er dieses Projekt realisiert. Es gab unter anderem Wohnzimmer, Badezimmer und eine voll ausgestattete Küche.

Denkmal des globalisierten Handelns – Ibrahim Mahamba Historische Torwache am Gebrüder-Grimm-Platz
Denkmal des globalisierten Handelns – Ibrahim Mahamba Historische Torwache am Gebrüder-Grimm-Platz

 

Die historische Torwache am Gebrüder-Grimm-Platz wurde mit gebrauchten Säcken von dem ghanaischem Künstler Ibrahim Mahamba verhüllt. Diese wurden in Athen von Helfern zusammen genäht und sollen ein Denkmal des globalisierten Handelns sein. Interessant waren einige Details, wie das Muster mit den Plomben.

Fotoinstallation im Stadtmuseum – Hans Eijkelboom
Fotoinstallation im Stadtmuseum – Hans Eijkelboom
Fotoinstallation im Stadtmuseum – Hans Eijkelboom
Fotoinstallation im Stadtmuseum – Hans Eijkelboom

Mein persönliches Highlight hat sich im Stadtmuseum aufgetan: Die Fotoinstallation des Holländers Hans Eijkelboom. Seit 25 Jahren verbringt er seine Zeit in Fußgängerzonen und porträtiert Passanten um sie hinterher in Kategorien einzuteilen. Hier wird einem vor Augen geführt, dass jeder in irgendein Muster passt. Das Interessante dabei ist, die Jahreszahlen dazu zu lesen. Ploppte ein neuer Modetrend auf, hat sich dies sofort in den Einkaufsstraßen bemerkbar gemacht. Insgesamt 270 solcher zum Teil sehr amüsanten Tableaus werden hier ausgestellt. Man kann sich kaum sattsehen. Es lohnt sich nicht nur die Jahreszahlen, sondern auch noch die Uhrzeiten dazu zu lesen. Gerade wenn es um Einteilung in einen Modetrend ging (z.B. schwarze Leggins und Jeansrock), hat er nicht lange dafür gebraucht.

St. Martin

Wer bei all dem Kunstgenuss gerne mal ein Päuschen einlegen möchte, sollte dies in St. Martin tun. Diese evangelische Kirche besitzt seit Pfingsten 2017 eine neue Orgel der Superlative, die allein fünf Jahre Planungszeit benötigte. Der norwegische Künstler Yngve Holen hat zusammen mit dem Architekten Ivar Heggheim aus einem Musikinstrument ein Kunstwerk gemacht. Vor den insgesamt 5675 Pfeifen befindet sich ein 2 Meter hoher „Haarstreifen“. Tritt Luft aus den Pfeifen, sieht man das an den wehenden Haaren. Während der Documenta kann man dem Klang der Orgel von 10-12 Uhr und von 14-16 Uhr lauschen.

„Neue Neue Galerie“ in der alten Hauptpost
„Neue Neue Galerie“ in der alten Hauptpost

Und dann habe ich doch noch ein Popup-Konzept entdeckt. In der alten Hauptpost, die von der documenta 14 in die „Neue Neue Galerie“ umbenannt wurde, befindet sich neben einer Vielzahl von Kunstwerken auch ein Popup-Cafe. Und zwar in der alten Küche der Kantine. Hier bekommt man Leckereien zwischen Grünpflanzen, die aus alten Kochtöpfen sprießen. Sehr lustige Atmosphäre, unbedingt hingehen.

Die diesjährige Documenta bietet natürlich noch viel, viel mehr an Kunst und Aktionen, die gar nicht alle aufgezählt werden können. Vieles ist politisch und sozialkritisch belegt und regt zum Nachdenken an. Dies sollte jeder für sich selbst analysieren und seine Schlüsse daraus ziehen. Ich jedenfalls hatte eine interessante Zeit in Kassel und kann nur jedem empfehlen sich selber ein Bild von der Kunst, den Künstlern und den freundlichen Menschen in der Stadt zu machen.

Wenn dies jemand noch vor hat, dann viel Spaß dabei!

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