1. Retail- und Design Studienreise des VMM nach Helsinki 08.06. -10.06.2017

Dom in Helsinki

Design für  Jedermann

Ein Beitrag von Claudia Böhm

Helsinki  feiert am 06. Dezember 2017 sein 100 jähriges Hauptstadt-Jubiläum der unabhängigen Republik Finnland.

Bis weit ins 20. Jahrhundert zählte Finnland zu den ärmsten Ländern Europas. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelten sich Industriebetriebe, vor allem Papiermühlen, Baumwollspinnereien und Eisenhütten entstanden. Neben der wirtschaftlichen Entwicklung wurde das Fundament für das junge finnische Design gelegt. Was mit den Händen und den Gedanken erschaffen werden kann, aus dem Nichts etwas zu kreieren und keine jahrhundertlange Designkultur bilden die Basis für die frischen, finnischen Designidee,  so Martta Louekari, Inhaberin der Kommunikations- und Produktionsagentur „Juni“ .

Helsinki New Luncheon & Hyéres presentation by Helsinki New Fashion Showcase

Design ist fest im Alltag der Finnen verwurzelt. Jeder ist mit den bekannten finnischen Designern aufgewachsen, besitzt Iittala-Gläser und Arrabia-Geschirr oder hat als Kind im Marimekko-Pyjama geschlafen.  Das hat mit Stolz und Loyalität gegenüber der jungen Republik und mit einem finnischen Lebensgefühl zu tun, das uns an vielen Stationen unserer Reise begegnete.

Martta Louekari ist nur eine der jungen Designer/innen, die die Teilnehmer der 1. VMM Studienreise während ihres 3-tägigen Aufenthalts in Helsinki getroffen haben, um sich zu Designthemen, Vertriebsfragen und Aspekten der Warenpräsentation und Ladengestaltung auszutauschen.

VMM im Gespräch mit finnischen Designern

Faszinierend, wie sich kleine Design-Ideen zu lukrativen Geschäftsideen entwickeln, die internationalen Absatz finden, gerne auf den asiatischen Märkten. Begeistern konnten wir uns beispielsweise für das finnische Schuhlabel Minna Parikka, das in der aktuellen Spring/Summer Kollektion auf Hasenohren setzt.

S/S 2017 Kollektion des finnischen Schuhlabels Minna Parikka

Traditionelles finnisches Design findet sich in den Heimtextilien, Dekorationsartikeln und Dingen des täglichen Bedarfs bei Lapuan Kamkurit (der Weber aus Lapuan). Design für Jedermann und überall ist das Fazit, das unser Reiseleitung zieht, wenn sie finnisches Design beschreibt.

Besichtigung von Lapuan Kamkurit

Ein besonderes Highlight war die Besichtigung der Produktionsstätten des 1951 gegründeten finnischen Textilunternehmens Marimekko. In dem von außen so unscheinbar wirkenden Gebäude, werden die farbenfrohen Designs entwickelt. Auf 2 Maschinen mit verschiedenen Druckverfahren entstehen  täglich 8.000 m bedruckter Stoff, der in den anschließenden Produktionsschritten bearbeitet, kontrolliert, konfektioniert und an die Produktionsstätten versendet wird. Stellt man sich nun einen lauten und vielleicht hektischen Betriebsablauf vor, so deckt sich das nicht mit der ruhigen, familiären und gelassenen Atmosphäre, die so typisch für Helsinki scheint. Auch hier stehen die Idee, das Konzept und der Mensch im Vordergrund.  Fast alle Mitarbeiter tragen Kleidung von Marimekko, den typischen finnischen Frühstücksporridge gibt es kostenlos und Mittwochs kommt (ebenfalls kostenlos) der Hairdresser. Übrigens leitet sich Marimekko von Marin Mekko ab, was so viel wie Maries Kleid heißt. Dabei ist Mari ein Anagramm von Armi, dem Vornamen der Gründerin Armi Ratia.

Marimekko

Inspirierend war der Besuch der Arabia Porzellanfabrik mit dem neuen Iittala & Arabia Design Center. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft werden in den verschiedenen Räumlichkeiten der 130 Jahre alten Fabrik präsentiert. Die aktuellen Ittala & Arrabia Sortimente präsentieren sich im lichtdurchfluteten Outlet Center, das im neusten Ladenbausystem gestaltet  wurde. Feine Unterschiede in der Gestaltung  des Bodens, der Farbauswahl und der Materialien in der sonst einheitlichen Darstellung unterstreichen den traditionellen Charakter der Arrabia Porzellanprodukte und das progressive, stylische Design der Iittala-Glasobjekte.

„I am still part of the generation  that draws by hand. I feel making design originals by hand is also very  therapeutic.“ Heikki Orvola Designer für Itttala

Im öffentlich zugänglichen Museum wird die Geschichte der beiden Designmarken erzählt und im Design-Lab die Zukunft kreiert. Designern und Künstlern wird hier in kleinen Ateliers die Möglichkeit gegeben, vollkommen frei an Ihren Iden und Kreationen zu arbeiten, die anschließend eventuell in die Produktionen einfließen.

Der Besuch des Stockmann Department Stores am Samstagmorgen hingegen war ernüchternd. Wird es doch als KaDeWe Skandinaviens angekündigt, hat das  50.000m² große Warenhaus seine besten Tagen hinter sich gelassen. Leere Gänge, Investitionsstau, Warendruck – keine unbekanntes Terrain für die deutschen Retail-Experten.

Die Führung durch die Universitätsbibliothek der Stadt Helsinki, das sogenannte KAISA-Haus, ließ uns Stockmann schnell vergessen. Der im September 2012 eröffnete Neubau bietet bis zu 9.000 Besuchern täglich auf 11 Etagen die Möglichkeit, zu recherchieren und zu studieren. Studenten können mit Arbeitsmaterialien ausgestattete Meetingräumen für Lerngruppen und Projektarbeiten buchen oder  einfach auf der Dachterrasse über den Dächern Helsinkis verweilen. Die Bibliothek besticht durch Ihre Architektur, die darauf ausgerichtet ist, das natürliche Licht in den Räumlichkeiten zu maximieren. Nicht verwunderlich, wenn man bedenkt , dass die Sonne in den Wintermonaten bereits zwischen 15:00h und 16:00h untergeht.

Universitätsbibliothek Helsinki
Universitätsbibliothek Helsinki

Das Reiseprogramm fand seinen Abschluss im Helsinki Art Museum. Die Ausstellungsräume von HAM befinden sich im Stadtkern von Helsinki im Tennis Palace. Das funktionalistische, 1937 als Tennishalle errichtete Gebäude,  ist schon an sich eine Sehenswürdigkeit. Begrüßt wird man mit dem Slogan „Kunst ist Popcorn für das Gehirn“ – also etwas, mit dem man jemanden glücklich machen kann – zum Beispiel sich selbst. Die  Ausstellung Modern Life zeigt die Highlights aus Architektur, Design, Visual Art und Photographie der ersten 50 Jahren der unabhängigen Republik Finnland. Auch hier geht es wiederholt um den Aspekt der Kunst und des Designs im finnischen Alltag.

Helsinki hat die 6-köpfige Reisegruppe begeistert. Nicht nur finnisches Design und Architektur haben inspirierende Eindrücke hinterlassen. Auch die Gelassenheit, die finnische Freundlichkeit und die Geschichte der jungen Republik haben sie fasziniert.

Die Teilnehmer der 1. VMM Studienreise v.l.: Annet Kuschel, Andrea Höddinghaus/AGORA Projktmanagement Karin Wahl/Warenpräsentation, Christoph Stelzer/dfrost, Mariella Evangelista/Genisis-Display, Jaana Woll/Tourguide, Claudia Böhm/VISUAL-MC

Looking forward:
2. Retail- und Design Studienreise des VMM im Mai 2018 nach Mailand

 

 

 

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Helsinki
http://www.helsinkidesignweek.com/weekly/sister-date-with-maija-and-martta-louekari/?lang=en
https://de.wikipedia.org/wiki/Arabia_(Design)
https://de.wikipedia.org/wiki/Universit%C3%A4tsbibliothek_Helsinki
Von KLS – Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21104426
Von Hyperboreios – Eigenes Werk, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=22721204

HAM Kunstmuseum Helsinki

 

 

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