42. internationale Fachtagung für visuelles Marketing & Retail Design: Building up ideas

Building up ideas

Das Motto der 42. Internationale Fachtagung für Visuelles Marketing & Retail Design in Hamburg lautete vielversprechend. Die freie Hansestadt, die schon immer als Handelsmetropole einen Namen hatte, war dafür der prädestinierte Tagungsort.

Zukunftsfähige Ideen für den stationären Retail standen im Mittelpunkt der anregenden Reden. Die Themen Greenification, Cluture Clash, New Yorker Impressionen, Content Commerce, Digitalisierung und die Generation Y brachten spannende Erkenntnisse, jede Menge Inspiration und tiefer gehende Denkanstöße.

Grün!

Professor Philipp Teufel analysierte die grüne Revolution, die auch als Gegenbewegung zur Digitalisierung zu sehen ist. Treiber der allgegenwärtigen ‚Greenification’ sind der Klimawandel und das Bedürfnis nach einem gesunden Lifestyle.

Grün macht glücklich, beruhigt das Auge (und den Geist) und sorgt für eine längere Aufenthaltsdauer in Shops. Anhand innovativer Beispiele zeigte Teufel wie Grün im Laden, im Schaufenster, im öffentlichen Raum, in der Einrichtung, im Büro, der Kultur, der Kunst und der Architektur funktioniert. Dabei beindruckten besonders grüne Gesamt-Inszenierungen von außen nach innen, von oben nach unten; wie in Ann Demeulemeester’s Store in Seoul, oder Apple in London und Mailand. Dort wächst das Grün über die Ladenfläche hinaus, in den Stadtraum und wird zur Plaza. Grüne Städte mit vertikalen Wäldern, unterirdische Gärten, grüner Nahverkehr, interaktives Grün, das reinigende Grün wird unsere Zukunft bestimmen. Nicht umsonst ist ein Grassgrün mit der Nummer 15-0343 von Pantone zur Farbe des Jahres gekürt worden. ‚Grüne’ Künstler wie Azuma Makoto aus Japan und Patrick Blan aus New York zeigen was mit dem Medium Pflanze alles machbar ist.

Grün wohin das Auge reicht!

Prof. Philipp Teufel

 

Werte, Achtsamkeit und die Seele der Dinge

Die Interior und Retail Design Managerin Carina Buhlert analysierte die Bedeutung unserer Wertesysteme und komplexer Verhaltensökonomie und wie diese den Einzelhandel prägen.

Werte wie Ehrlichkeit, Authentizität, Integrität und Liebe sind die Grundlagen für Entscheidungen. Sie geben uns Orientierung und Identität. In unserer hektischen, komplexen, digitalen Zeit, erhalten diese neue Bedeutung. Entschleunigung und Achtsamkeit spielen beim Kaufprozess und in der Kaufentscheidung entscheidende Rollen. Herkunft, Regionalität, Verantwortung und Service machen den POS interessant. Er mutiert zum Point of Sensation and Situation. Es geht weniger um Produkte, sondern um Erfahrungen, Service, um einen ‚social Store’. 24 Kilates in Bankok, Nike in Soho NY oder Moleskine Café in Mailand zeigen wie es geht. Sie erzählen Geschichten, sie regen zum malen oder Sport und Selfie machen an. Edutainment (Education und Entertainment), Glokalisierung (Trend Markthallen) und Showroom Charakter gehören zu den Schlüsselbegriffen. Ein kuratiertes Sortiment kann Produkte zu Kunstobjekten stilisieren. Sie werden als Symbole museal inszeniert und können durch eine Story eine Seele erhalten.

Buhlerts Fazit: ‚The Store is dead. The Space is alive.’

Carina Buhlert

Big Ideas aus dem Big Apple

Frank Rehme, renommierter Handelsprofi und Strategieberater von gmvteam, entführte das Fachpublikum auf ein Retail Trendscouting durch New York. Aber nicht auf den ausgetretenen Shopping-Pfaden, der Düsseldorfer präsentierte Läden abseits des Mainstream. Sein erster Eindruck: Digitales wird nur noch reduziert gespielt, dafür fallen Service-Angebote wie ‚same day delivery’ und Customization auf. Auch die Fassaden haben sich geändert: der Markenname ist nur noch versteckt erkennbar oder ganz verschwunden. Seine Favourites: Patagonia in Soho mit seinem industriellen Vintage Style, Space Cowboy: winzig, aber authentisch. Auch Dean & Deluca (rougher Ladenbau), too cool for school (mit seinem kreativen Mix aus interessanten Produkten, Verpackung und Store-Design), Rei Outdoor Equipment, United Nude, Lego, Eataly, Rent the Runway und das neue Shopping Center Westfield World Trade Center. Dass mit seiner herausragenden Architektur fast an eine Kathedrale erinnert. Einer der Highlights: Story in Chelsea (144 10th Ave). Dieses Konzept erinnert an eine Kunstgalerie. Alle zwei Monate wechselt mit dem Sortiment der komplette Ladenbau. Ein radikaler Ansatz.

Der Appell von Rehme: „Sprechen Sie ihre Kunden sauber an. Zeigen Sie ihre Leistungsfähigkeit, berühren Sie die Herzen. Damit das Einkaufen zum Akt des Verliebens wird.“

Frank Rehme

Content Commerce

Auch das komplexe Thema eCommerce sollte nicht zu kurz kommen.

Die Experten Thomas Gottheil und Andre Roitzsch zeigten, dass online Shops auch mit einfacher Navigation und simplen Aufbau, ihre Aufgabe erfüllen. Die Fülle technischer Möglichkeiten sollte nicht voll ausgereizt werden. Nach dem Motto: less is more!

Die eCommerceler setzen außerdem auf digitales Storytelling; wie bei Nike, Outfittery, Casper.

André Roitzsch

Sturmflut Digitalisierung

Peter Holzer, Berater und Dozent am St.Gallen Management Institut hat die digitale Entwicklung näher unter die Lupe genommen und aufgezeigt, was dieser Veränderungsprozess mit uns macht. Und wie mit ihm erfolgreich umgegangen werden kann. Digitalisierung wird als großes Hindernis angesehen. Dabei ist sie nichts anderes als eine Veränderung. Und Veränderungen rufen zunächst Probleme hervor und führen, wenn man sich ihnen stellt, zu Lösungen. Erfolgreiche Lösungen rufen nach demokratischen Entscheidungen und diktatorischen (konsequenten) Umsetzungen. Lösungen sollten immer an der Ursache ansetzten und nicht am ‚Gemocht werden wollen-Virus’ scheitern. Holzer appellierte dabei an alle Führungskräfte die Team-Intelligenz der Mitarbeiter zu nutzen und sich auch unbequemen Wahrheiten zu stellen: „Nutzen Sie die Digitalisierung als Mittel zum Zweck. Immer mit dem Ziel den Kundennutzen zu verbessern.“ Und das ohne Kompromisse bei der Qualität zu machen. Erfolgreiche Führungsarbeit sollte kurzfristig nach effektivem Kundennutzen diagnostiziert werden, unterstützt durch effiziente Systematik. Denn die Zukunftssicherheit setzt sich aus den Faktoren Produktivität, Umsatz, Gewinn steigern sowie Kosten senken zusammen; unterstützt von der Digitalisierung. Differenzierung kann nur über Erlebnisgestaltung erreicht werden: „Verlassen Sie die Komfort Zone, ergreifen Sie Chancen, Möglichkeiten und neue Geschäftsfelder. Für die Zukunft Ihres Unternehmens.“

Peter Holzer

 

Am Puls der Zeit

Dr. Steffi Burkhart sprach am Ende einer intensiven Vortragsreihe über das Phänomen der fünf Generationen und welche Problematiken sie mit sich bringen: „Kommunizieren Sie so, dass Sie auch von anderen Generationen verstanden werden?“ Dabei geht es um die Generation Wirtschaftswunder, die Babyboomer Generation, die Generation Y (1981-1995) und die Generation Z (ab 1996). Unterschiedliche Glaubenssätze, Paradigmen, Werte und Gewohnheiten prallen aufeinander. Wie kann ein Dreiklang des Wandels gelingen, in dem die Technologie, die Struktur und der Mensch unterschiedlichsten Einflüssen ausgesetzt sind? Burkhart allarmierte wie wichtig junge Menschen in den Organisationen sind; als Treiber für neues Denken und Handeln. In dem heutigen Bewerbermarkt, in dem es schon morgen kritisch wird Fachkräfte zu finden, sollten neue Talente erkannt und gezielt gefördert werden. Die Alterspyramide fordert einen kooperativen Mindset, der Kollaboration, Partizipation und Interaktion favorisieren sollte. Eine Kultur, die junge ‚Change-Agents’ fördert, ist überlebensnotwendig. Und ebnet den Weg für zukunftsfördernde Ideen.

Dr. Steffi Burkhart

Ein Tag mit dem Fazit: Building up ideas!

Es folgen noch ein paar Impressionen zu unserer Tagung. Die Pausen wurden bei strahlendem Sonnenschein zum Kontakte knüpfen und für rege Diskussionen genutzt:

Eröffnung der Tagung durch den VMM Präsidenten Andreas Gesswein
Erläuterungen zum Verband durch den VMM Vizepräsidenten Klaus Lach

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